Erfahrungen, Tipps und Wissenswertes

 

Erste Hilfe
 
 
Bevor wir bei einem Hund (Tier) erste Hilfe vornehmen, müssen wir uns erst einmal vergewissern, ob er gut oder bösartig, bei Bewusstsein oder bewusstlos ist, um weitere Unfälle durch Bisse zu vermeiden.

Stellt sich heraus, daß das Tier bösartig ist, sollte, bevor man es untersucht oder behandelt, mit einer Krawatte, einem Gürtel oder Bändel (Schnürsenkel) die Schnauze zubinden, damit es nicht um sich beißen kann. Dies geschieht indem man die Krawatte von oben über die Schnauze legt, unter dem Kinn kreuz und dann hinter den Ohren zusammenbindet.

Ist dies geschehen, kann man sich das Tier näher ansehen, um festzustellen, welche Verletzungen zu Grunde liegen. Befindet sich das Tier unter Bewusstlosigkeit oder im Schockzustand prüft man als erstes die Atmung, Puls, Reaktion und den Kreislauf des Tieres. Den Kreislauf prüft man, indem man die Lefzen nach außen dreht und mit einem leichten Druck des Daumens auf das Innere der Lefzen drückt. Verfärbt sich die weiße Druckstelle innerhalb weniger Sekunden nicht wieder rot, so liegt ein Kreislaufkollaps vor.

Die Reaktion prüft man indem man in erster Linie das Tier mit seinem Namen anspricht darauf achtet ob es die Augen oder den Kopf bewegt.

Hunde wedeln manchmal auch geringfügig mit dem Schwanz. Weitere Reaktionsprüfung unternimmt man, indem man etwa 20 cm vor den Augen die Hand hin und her bewegt und darauf achtet, ob die Augen der Bewegung folgen. Ist dies nicht der Fall geht man mit der Hand schnell auf die Augen zu, den Kopf des Tieres aber dabei nicht berühren.

Den Puls prüfen wir im Hinterschenkel des Hundes
Beim Hund finden wir den Pulsschlag medial am Oberschenkel, das heißt in der Mitte der Innenseite. (Schwankung zwischen 60 - 140 im Ruhezustand pro Min, wobei beim Großhund der Schnitt bei 80 liegt und bei der kleinen etwas höher ist. Welpen können einen Puls von über 200 pro Minute haben.

Die Atmung
Diese prüfen wir, indem wir durch sehen, fühlen und hören.
Sehen: hebt und senkt sich der Brustkorb.
Fühlen: eine Hand vorsichtig vor die Nase des Hundes halten, so spüren wir die Atemzug oder eine Hand auf den
Brust-/Bauchraum legen so spüren wir die Atembewegungen.
Hören: wenn wir das Ohr vor die Nase legen, dann hören wir den Atemzug.

Was ist bei der Atmung zu beachten?
1. Anzahl der Atemzüge in der Minute (30 - 40)
2. Regelmäßigkeit der Atmung, sowie Nebengeräusche, die auf Erkrankung der Atemwege schließen lassen.

Wenn wir festgestellt haben, dass der Hund noch atmet, legen wir ihn auf die Seite, nehmen die Zunge aus dem Maul und beobachten die Atmung weiterhin und überprüfen den Puls.

Atemwegsverlegung
Erkennung durch Atemnot, der Hund will den Fremdkörper entfernen indem er anfängt zu würgen Blaufärbung des Zahnfleisches, er ist nervös. Dies kann entstehen durch feste Speisereste oder erbrochenes Blut.

Maßnahmen:
Entfernen des Fremdkörpers Kleinhund an den Hinterläufen hochheben und vorsichtig schütteln.
Großhund möglichst beim Ausatmen auf den Rücken klopfen.
Beim bewusstlosen Hund entfernen wir den Fremd- Körper manuell mit einer Magill-Zange.
Flüssige Fremdkörper mit einem Tuch.

Schwellung der Atemwege
können durch Insektenstiche im Rachenraum, Luftröhre oder der Zunge vorkommen, aber auch durch Verätzungen mit Säure oder Laugen, durch Verbrennungen und Allergische Reaktionen. Gefahren: Atemnot bis hin zum Stillstand.

Maßnahmen:
Kühlen von außen mit nassen kalten Umschlägen oder wenn vorhanden mit dem Kühlpack. Kühlen von innen mit kaltem Wasser, wenn er nicht von selbst trinkt mit einer großen Spritze in den Rachen einflößen. Gut ist auch, wenn der Hund mit macht, Eis schlecken lassen.

Kreislauf
Wie entsteht ein Kollaps

Durch ein Mischverhältnis zwischen Blut- und Gefäßvolumen sackt das Blut in die Venen des großen Bauchraumes ab, was zu einer Blutleere im Kopf und in den Gliedmaßen führt. Dies kann hervorgerufen werden z.B. durch Hitzschlag, Unterkühlung, Sturz aus dem Fenster, Verkehrsunfall usw.

Hitzeschock (Hitzschlag)
Kreislaufkontrolle, Temperatur messen. Das Thermometer zeigt eine Temperatur meist über 40o. Ist dies der Fall, wird das Tier sofort an einen kühlen gut belüfteten Ort gebracht. Sofortige Kühlung des Körpers mit nasskalten Tüchern ist notwendig, notfalls kann das Tier auch bis zum Hals in kaltes Wasser gestellt werden.
Den Kopf kühlt man mit einem Stück Pappe oder ähnlichem Gegenstand, damit die Feuchtigkeit im Fell schneller verdunstet und somit die Körpertemperatur absinkt. Ist das Tier wieder bei Bewusstsein sollte der Kopf noch einige Zeit gekühlt werden.

Kälteschock
Bei einem Kälteschock wird das Tier an einen warmen Ort gebracht und in warme Decken eingewickelt. Auch hier mist man immer wieder die Körpertemperatur bis der Hund seine normale Temperatur von 38 Grad erreicht hat.

Biß-, Schnitt-, Hautwunden
Bei diesen Verletzungen sollte man unterscheiden zwischen Abschürfungen, oberflächlichen und tiefen Wunden. Abschürfungen sind die harmloseste Form von Verletzungen, weil tiefergelegene Gewebsschichten unverletzt bleiben. Die Blutung ist all-gemein gering, weil nur die Kapillargefäße verletzt sind.

Bei den oberflächlichen Wunden ist die Oberhaut durchtrennt, aber das darrunterliegende Gewebe jedoch unverletzt. Die Blutung ist geringartig und kommt schnell zum Stillstand, weil nur kleinere Blutgefäße in der Haut verletzt sind.

Den Unterschied zwischen einer Abschürfung und einer Hautwunde kann man daran erkennen, indem sich die Wundränder bei einer Hautwunde verschieben lassen. Bei den tieferen Wunden kann auch das unter der Haut liegende Gewebe verletzt sein und ein Stillstand der Blutung ist sehr schwer zu erreichen.

Behandlung
Blutungen, bei denen keine größeren Gefäße verletzt werden, werden durch einen gleichbleibenden Druck von einigen Minuten gestoppt. Dazu nimmt man einen Gazetupfer wenn nicht zur Hand ein sauberes zusammengelegtes Taschentuch oder ein Stück Stoff welcher nicht fusselt. Ist die Blutung nach 2 Minuten nicht gestillt sollte man es mit einem Eisbeutel (Kühlung) versuchen. Kommt die Blutung jedoch danach immer noch nicht zum Stillstand sollte eine Staubinde angelegt werden und mit dem Tier sofort zum Tierarzt gegangen werden. Falls keine Staubinde zur Hand, kann man dies auch mit einem breiten Gummi, Hosenträger, Schnür-senkel oder zusammengedrehten Stoffbänder tun. Das Abbinden sollte man lediglich nur bei Ver-letzungen der Gliedmaßen oder am Schwanz vornehmen jedoch niemals am Hals. Die Staubinde darf höchsten 15 Minuten angelegt werden, danach muß sie gelockert werden, damit die Blutzirkulation wieder hergestellt wird. Im Bedarfsfall kann man sie wieder neu anlegen.

Desinfektion
Bevor die Wunde behandelt wird, werden die Wundränder vom Fell gesäubert und zwar ca. 1 cm breit. Dies wird mit einer Schere mit gebogenen Spitzen wie z.B. einer Nagelschere oder einem einmal Rasierer vorgenommen, vorher jedoch wird die Wunde mit einem Gazetupfer oder sauberen Stück Stoff abgedeckt, damit nichts in die Wunde gelangen kann. Danach wird die Wunde mit einem milden Mittel gereinigt (desinfiziert) nicht mit scharfen Lösungen.
Für Wunden in denen sich Reste von Erde, Pflanzen oder rostigem Metall befinden empfiehlt sich Wasserstoffsuperoxyd zu nehmen, um das Risiko einer Tetanusinfektion zu verringern. Um die Wunde sauber zuhalten und zu verhindern, daß sie erneut wieder blutet legt man einen Verband an. Gazetupfer oder ein sauberes Taschentuch auf die Wunde legen und mit einer Mullbinde (5 - 10 cm breit) verbinden und die Enden mit Heftpflaster (1 - 3 cm breit) festkleben. Hat man kein Heftpflaster zur Hand, kann man das Ende der Binde einschneiden und verknoten.

Kopfverletzungen
Diese können entstehen z.B. durch Sturz, Unfall und durch Gewalt Dritter. Erkennungszeichen Erbrechen, schwanken, Bewusstseinsstörungen, Bewusstlosigkeit, Atemstörungen, Atemstillstand, sogar Herzstillstand, oft Blutungen, offene Wunden am Kopf. Durch Blutungen im Schädel zunehmende Verschlechterung. Ist der Hund bei Bewusstsein die offenen Wunden versorgen und den Kopf etwas höher lagern um ihn zu entlasten.

Augenverletzungen
Bei einer Augenverletzung muss man wissen, ob es sich um einen Fremdkörper oder um eine Wunde handelt. Ist ein Fremdkörper vorhanden oder hat der Hunde eine Flüssigkeit ins Augebekommen, spült man das Auge mit einer Spitze Wasser von der Nase nach außen mehrmals aus. Zum Schutz legt man eine Gaze auf das Auge und befestigt diese mit Heftpflaster. Das gleiche gilt auch für Verletzungen am Auge.

Ohrverletzungen
Bei einer Verletzung am Ohr schaut man genau nach wo diese sich befindet. Ist die Verletzung am hinteren Teil des Ohres legt man das Ohr nach vorne beim Verbinden. Wenn die Verletzung im vorderen Bereich ist, legt man das Ohr nach hinten zum Verbinden.

Hals und Schultern

Gazetupfer auf Wunde, Binde mehrmals um Hals und Brust wickeln, danach über den Rücken und zwischen den Vorderbeinen hindurchführen und den Verband dann vorne mit Heftpflaster befestigen.

Brust und Bauch
Gazetupfer auf Wunde und mit Heftpflaster befestigen und mit Binde mehrmals umwickeln.

Oberschenkel
Gazetupfer auf Wunde und mit Mullbinde umwickeln. Um das Verrutschen des Verbandes zu verhindern sollten die Flanken und der Brustraum mit umwickelt werden und mit Heftpflaster befestigen.

Pfote
Bei Verletzungen der Pfoten ist der Zwischenraum der Zehen mit Watte auszupolstern, jedoch keine Watte in die Wunde bringen. Gazetupfer auf die Wunde legen und mit einer Binde bis zum Sprunggelenk bandagieren.
Vorderbeine Wunde mit Gazetupfer belegen und diesen mit einer Mullbinde vor dem Verrutschen sichern, mindestens 3 mal umwickeln und an beiden Enden mit Heftpflaster befestigen. Befindet sich die Wunde in Gelenknähe so sollte auch das Gelenk mit bandagiert werden.
Knochenbrüche
Es gibt Knochenbrüche verschiedener Arten
1. - Kompletter Bruch (glatter Durchbruch)
2. - Trümmerbruch (mehrmals gebrochen)
3. - teilweiser Bruch (angebrochen)
4. - Grünholzfraktur (kommt bei Welpen vor, der Knochen sieht wie ein frischer,
zu stark gebogener Zweig der aufgerissen ist, aus)
5. - Verrenkungen (Überdehnung der Bänder)
Bei einem Bruch oder einer Verrenkung der Gliedmaßen empfiehlt sich, das verletze Teil, ob Vorder- oder Hinterfuß sofort ruhig zu stellen, das heißt zu schienen. Gliedmaße mit Mullbinde oder langen Stoffstreifen bandagieren, wenn dies nicht zur Hand, geht es auch mit Taschentüchern, eine Schicht Watte darüber und mit Heftpflaster festkleben. Danach wird dann eine Schiene angebracht. Man hat nicht immer eine Schiene zur Hand daher kann man auch Holzstücke oder festzusammengedrehte Pappe verwenden, diese wird dann mit Bindfaden oder Schnürsenkel festgebunden. Geschient wird der Vorder- oder Hinterfuß von 3 Seiten. Sind die Schienen angelegt, wird die ganze Pfote mit einer elastischen Binde umwickelt und zum Arzt gehen, damit er die verletzte Pfote röntgen und den richtigen Verband anlegen kann.

Was ist bei der Untersuchung des Herzens zu beachten ?
1. - Anzahl der Herzschläge pro Minute (110 - 130)
2. - Regelmäßigkeit der Schlagfolge
3. - Stärke der Herzschläge, wobei man gleichzeitig auf Herznebengeräusche achtet. Um die Anzahl der Herzschläge zu kontrollieren sollte man wissen, wie viele Herzschläge der Hund überhaupt hat. Die Schwankung der Anzahl hängt davon ab, ob sich das Tier im Ruhezustand oder in Aufregung befindet. Dies gilt auch für die Atmung und die Pulsschläge.

Bei der Wiederbelebung sollte man nach dem ABC vorgehen:
A = Atemwege freilegen
B = Beatmung
C = Zirkulation (Kreislauf)

A= Atemwege
freilegen Können keinen Atemzüge mehr festgestellt werden, wird der Hund in die Seitenlage gebracht, sein Fang geöffnet und die Zunge nach vorn gezogen. Mit Fingern und Auge wird nun kontrolliert, ob der Rachenraum frei ist. Fremdkörper bzw. erbrochenes müssen sofort entfernt werden.

B = Beatmung
Der Hund atmet 20x pro Minute, also müssen wir 20x pro Min. unseren Atem spenden. Die Mund zu Mund Beatmung ist nicht wie beim Menschen möglich, daher beatmen wir den Hund durch die Nase. Den Fang umschließen ganz fest mit unserer Hand legen aus hygienischen Gründen ein dünnes Tuch darüber, nehmen tief Luft und blasen unseren Atem fest in seine Nase.

C = ZirKculation (Kreislauf)
Wir beobachten den Kreislauf

Herzdruckmassage
Dabei versuchen wir durch Drücken des Brustkorbes das Herz zu komprimitieren, damit eine künstliche Pumpwirkung des Herzens entsteht.

Kleiner Hund
Legen wir auf eine harte, flache Unterlage auf den Rücken und halten ihn mit der einen Hand fest. Dann legen wir Daumen und Zeigefinger auf den Brustkorb in Höhe der 5ten Rippe und drücken ca. 1-2 cm tief ein. Da wir etwa 100x pro Min. (Ruhephase) drücken müssen, entspricht dies einer Geschwindigkeit 2x pro Sek.
Großer Hund
Da wir den großen Hund nicht auf den Rücken legen können, legen wir diesen auf die rechte Seite und drücken den Brustkorb in Höhe der 5ten Rippe (etwa Ellenbogenhöhe) dazu legen wir den Handballen auf und drücken mit gestreckten Armen senkrecht nach oben. Dazu setzen wir und am besten hinter den Hund und drücken etwa 4 cm tief.
Beatmung und Herzdruckmassage kombiniert
Da wir bei der Wiederbelebung Beatmung und Herzdruckmassage kombiniert durchführen müssen, wechseln wir ab: d.h. 2x beatmen 10x drücken, 2x beatmen 10x drücken etc. Zwischenzeitlich prüfen wir Puls und Atmung. Wenn wir nach 10 Min. keinen Erfolg feststellen, müssen wir uns damit abfinden, daß das Tier tot ist.

Der Transport zum Tierarzt
Nachdem alle wiederbelebende sowie lebenserhaltene Sofortmaßnahmen durchgeführt sind, sollte das Tier sofort zum nächsten Tierarzt gebracht werden. Kleine Hunde kann man vorsichtig in einen Korb legen. Große Hunde werden in einer Decke transportiert.

Es sollte immer eine Person mitfahren, die sich während des Transportes um das Tier kümmern kann. Bei Wirbelsäulenverletzung legt man unter die Decke einen festen Gegenstand. Bei Kreislaufschock wird der Kopf tief und der hintere Teil hoch gelagert bei Atemnot umgekehrt. Bei Bewusstlosigkeit wird der Hund stets in der Seitenlage transportiert.

Notfalltasche

Was benötigt man im Notfall, dem man überall begegnen kann in seiner ersten Hilfe-Tasche die man immer mit sich führen sollte, damit man bei einem verletzten Tier oder beim Menschen erste Hilfe leisten kann.
Gegenstände, die in eine Erste-Hilfe-Tasche gehören.
Plastikschüssel
Spritze (für Spülung)
Pinzette
Verbandsschere möglichst abgerundeten Spitzen
Taschenlampe
Verbandsmull
Mullbinden (8 cm breit)
Elast. Binden ca. 8 cm
Heftpflaster
Pflasterrolle
Krawatte od. Schnürsenkel
Eisbeutel
Kalzium-Trinkampullen oder Traubenzucker
Klebeband
Desinfektionsmittel
Decke
Watte
Schutzhandschuhe
Wundsalbe

 

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