Erfahrungen, Tipps und Wissenswertes

 

Sinnesorgane (Organa sensuum)
Die Sinnesorgane nehmen die auf den Organismus einwirkende Reize auf und leiten die Erregung dem Zentralnervensystem (ZNV) zu, das sie registriert, verarbeitet und wertet. Zwischen den Tierarten und vor allem auch zum Menschen bestehen Unterschiede in der Differenziertheit der einzelnen Sinne und auch in der Wertung der durch die Sinne aufgenommener Reize. Die Sinneszellen sind hochspezialisiert und sprechen nur auf für sie spezifische Reize an. Sie sind entweder zu speziellen Organen lokal zusammen gefasst (Auge, Ohr), auf eine Region verteilt (Geruchssinn, Geschmackssinn) oder aber im Organismus verbreitet (Tast-, Schmerz-, Temperatursinn).
 
 
Das Auge (Oculus)
Von den Säugetieren werden Lichtreize mit den Augen aufgenommen. Zwar reagieren auch andere Körperzellen auf Lichteinfall, z.B. die Pigmentzellen der Haut, aber nur über das Auge wird Licht bewusst aufgenommen. Zusammen mit seinen Hilfs- und Schutzeinrichtungen bildet das Auge daher das Lichtsinnesorgan. Mit dem Auge kann allerdings nur Licht ganz bestimmter Wellenlänge und Intensität wahrgenommen werden.
Zum Schutz des Auges gehören die Schutz- und Hilfseinrichtungen (die Augenhöhle, die Augenlider, der Tränenapparat und die Augenmuskeln). Die Augenhöhle und die Lider schützen den Augapfel vor mechanischen, chemischen und thermischen Schädigungen. Der Tränenapparat sorgt für eine ständige Anfeuchtung der freien Oberfläche des Augapfel und schützt diese vor dem Austrocknen. Die Tränenflüssigkeit dient auch dazu durch Abschwemmen von kleinen Fremdkörpern und beim Auftreten geringer Mengen chemischer Reizstoffe durch Verdünnung dem Schutz vor mechanischen und chemischen Schädigungen.
Die Augenmuskeln verleihen dem Augapfel seine Eigenbeweglichkeit und erweitern damit das Gesichtsfeld, ohne daß Bewegungen des Kopfes notwendig sind.

Die Augenhöhle wird vom vorderen Keilbein, dem Oberkieferbein, dem Tränenbein und dem Stirnbein gebildet. Während es beim Menschen vollständig knöchern umrandet wird, besteht beim Hund eine Lücke zwischen dem Jochfortsatz des Stirnbeins und dem Jochbogen, die durch ein Band geschlossen wird. Im deutlichen Gegensatz zu den Verhältnissen beim Menschen ist die Augenhöhle beim Haustier zur Schläfengrube hin offen.

Die Augenlider umschließen die Lidspalte und sind während der Fötalzeit geschlossen und öffnen sich beim Hund erst einige Tage (9 - 14) nach der Geburt. An der Lidspalte unterscheidet man einen nasalen (medialen) und einen temporalen (lateralen) Lidwinkel. Außer dem oberen und unteren Augenlid besitzen die Hunde das dritte Augenlid, die Nickhaut.

Das obere und untere Augenlid werden von der äußeren Haut mit feiner Behaarung bedeckt. Zum Augapfel hin bekleidet sie die Lidbindehaut, eine Schleimhaut mit mehrschichtigem, nicht verhorntem Deckepithel, die zusammen mit der Bindehaut des Augapfels den Bindehautsack bildet.

Am Lidrand sind besonders lange und kräftige Tasthaare, die Wimpern, ausgebildet. Bei Berührung, aber auch schon bei Reizung durch einen unerwarteten Luftzug, wird die Lidspalte reflektorisch und sehr schnell geschlossen (Lidreflex). Am Lidrand münden auch die Ausführungsgänge der im Lid gelegenen Tarsaldrüsen. Sie sind umfangreiche Talgdrüsen, die den Lidrand und die Wimpern mit ohrem Sekret, der sogenannten Augenbutter benetzen.

Die Augenlider werden von den Lidmuskeln (Heber, Niederzieher und Schließmuskel der Augenlider) bewegt, die zusammen mit der kräftigen, bindegewebigen Grundplatte die Grundlage der Augenlider bilden.

Das dritte Augenlid, die Nickhaut, liegt im nasalen Augenwinkel. Es wird vom Blinzknorpel gestützt und von der Bindehaut bedeckt. Die Nickhaut kann durch den Nickhautmuskel, der am Blinzknorpel ansetzt, über den Augapfel gezogen werden, wobei die Augenoberfläche scheibenwischerartig gereinigt wird.

Der Tränenapparat besteht aus der Tränendrüse und den Abflusseinrichtungen für die Tränenflüssigkeit. Die Tränendrüse liegt über dem Quadranten des Augapfels unter dem Jochfortsatz des Stirnbeins.

Die Augenmuskeln verleihen dem Augapfel seine Eigenbeweglichkeit und sind durch Reflexbahnen so gekoppelt, daß alle Bewegungen von beiden Augäpfeln gemeinsam koordiniert ausgeführt werden können. Störungen in diesem System werden als Schielen bezeichnet. Am Augapfel setzen vier gerade und zwei schräge Augenmuskeln wie Rückzieher des Augapfels an. Die geraden Augenmuskeln bewegen den Augapfel nach oben oder unten sowie zu den Seiten. Die beiden schiefen Augenmuskeln können den Augapfel um seine Längsachse drehen. Der Rückzieher des Auges entspringt an dem Sehnervenloch und setzt in der Umgebung der Eintrittsstelle der Sehnerven in das Auge an. Er besteht aus vier Anteilen, welche die Bewegungen der geraden Augenmuskeln unterstützen. Bei gemeinsamer Aktion ziehen sie den Augapfel in die Augenhöhle zurück und die Nickhaut fällt dabei vor.

Augapfel (Bulbus oculi)
Der Augapfel ist annähernd kugelförmig. Er besteht aus der äußeren, der mittleren und der inneren Augenhaut sowie der Linse und dem Glaskörper. Die äußere Augenhaut ist sehr straff, besteht aus der harten Augenhaut und der Hornhaut und gibt dem Augapfel seine Festigkeit. Die Hornhaut ist durch die spezifische Anordnung ihrer Bindegewebsfasern durchsichtig. Die Hornhautoberfläche wird, wie auch der lidseitige Teil der Sklera, von dem Epithel der Bindehaut bedeckt und geschützt. Zur vorderen Augenkammer hin besitzt die Hornhaut ein sehr widerstandsfähiges Membran, das von einem Plattenepithel bedeckt wird.

Die Sklera besteht aus straffem Bindegewebe, das ihr die leicht bläuliche Färbung verleiht. Sie ist durch lockeres Bindegewebe mit ihrer Umgebung verbunden. An ihr setzten die Augenmuskeln an (Skleralwulst). Am Gehirnpol bildet die Sklera eine Siebplatte aus, durch deren Löscher die Fasern des Sehnervs in Auge eintreten. In diesem Gebiet verbindet sie sich auch mit einem Dura-Schlauch, der den Sehnerv umhüllt.

Die mittlere Augenhaut ist reich an Blutgefäßen, Pigmentzellen und Nerven. Sie enthält auch den Binnenmuskel des Auges. Sie hat drei Anteile die Aderhaut, den Ziliarkörper oder Faltenkranz und die Regenbogenhaut. Die Aderhaut ist reich an Blutgefäßen und bildet im Gebiet des Gehirnpols einen je nach Tierart in verschiedenen Farben schillernden Bezirk. Der Ziliarkörper, Faltenkranz dient als Halte- und Bewegungsapparat für die Linse. Beim Menschen sind die Fasern des Ziliarmuskels zirkulär angeordnet. Wenn der Muskel anspannt, verringert sich sein Radius, und die Ziliarfasern geben der Eigenspannung der Linse nach, wobei sich die Linse wölbt und dadurch das Sehen in der Nähe stärker wird. Beim Hund verlaufen die Ziliarfasern radiär. Wenn sie sich anspannen, wird die Linse für das Sehen in die Ferne stärker abgeplattet.

Die Regenbogenhaut (Iris) folgt dem Ziliarkörper lidwärts. Sie bildet die kulissenartige Trennung zwischen der vorderen und hinteren Augenkammer, die nur durch ein zentrales Loch, die Pupille, in Verbindung stehen. Die Pupillenweite wird durch den Tonus zweier Muskeln bestimmt. Die Fasern verlaufen bei runder Pupille zirkulär, bei schlitzförmiger Pupille spindelförmig. Die Pupille ist beim Hund rund und bei der Katze vertikalschlitzförmig. Die Farbe der Regenbogenhaut und damit die Farbe der Augen wird durch die Zahl der in das Bindegewebe eingelagerten Pigmentzellen bestimmt. Wenn viele Pigmentzellen vorhanden sind, ist die Regenbogenhaut dunkelbraun gefärbt. Fehlen Pigmentzellen, so erscheint sie infolge der Streuung des Lichtes im Bindegewebe der Iris vor dem dunklen Augenhintergrund blau. Ist der Augenhintergrund unpigmentiert (bei Albinos), sind die Augen rot, weil man die Blutgefäße der Aderhaut durchleuchten sieht.

Die innere Augenhaut Tunica interna bulbi, Retina, Netzhaut besitzt eine Pars optica retinae, die im Hintergrund liegt und die Sinneszellen trägt, sowie die Pars caeca retinae, die sich lidwärts anschließt und die Ziliarkörper sowie die Rückseite der Iris bedeckt. Die Retina ist eine Ausstülpung des Gehirns. Die Schicht der Sinneszellen (Stäbchen und Zapfen) liegt unmittelbar unter der Aderhaut. Die Stäbchen vermitteln Schwarz-Weiß-Eindrücke, die Zapfen dienen zum Farbsehen.

Die Linse ist der wichtigste Bestandteil des vom Auge gebildeten optischen Systems. Die Veränderbarkeit ihres Lichtberechungsvermögens garantiert ein stets scharfes Bild auf der Netzhaut unabhängig von der Entfernung des betrachteten Gegenstandes. Allerdings gibt es einen Mindestabstand, der eingehalten werden muß, da andernfalls das Brechungsvermögen der Linse überfordert wird (Nahpunkt). Beim Menschen mittleren Alters z.B. beträgt der Abstand ca. 12 - 15 cm.

Der Glaskörper füllt als gallertartige, glasklare Masse den Raum zwischen Linse und Netzhaut aus. In der klaren Flüssigkeit des Glaskörpers, die viel Hyaluronsäure enthält, befindet sich ein sehr feines Gitterwerk kollagenartiger Fasern, die nur elektronenopitsch nachweisbar sind.

Vordere und hintere Augenkammer
Außer dem vom Glaskörper ausgefüllten Zentralraum des Auges besitzt dieses zwei mit Kammerwasser angefüllte kleinere Räume. Die vordere Augenkammer befindet sich zwischen der Hornhaut und der Vorderfläche der Regenbogenhaut, die hintere Augenkammer nimmt den Raum zwischen der Hinterfläche der Regenbogenhaut und der Linse mit ihrem Aufhängeapparat ein. Der Pupillenrand der Regenbogenhaut schleift auf der Vorderfläche der Linse und kann bei bestimmten Augenerkrankungen mit dieser verkleben. Das Kammerwasser wird in der hinteren Augenkammer gebildet, gelangt durch die Pupille in die vordere Augenkammer und fließt durch die Schlemmschen Kanäle ab.
 
Das Gesichtsfeld unserer Hunde ist gegenüber uns Menschen verschieden. So sehen Hunde mit einer langen Schnauze weniger als die Rassen mit kurzer Schnauze.
 
Dies geschieht durch die schmale, langgezogene nach vorne hin verjüngende Kopfform. Bei diesen Rassen sind die Augen schräg eingesetzt, dagegen bei den kurzschnauzigen Rassen, deren Kopf viel breiter geschaffen ist, liegen die Augen genau vorne in der Mitte. Aus diesem Grunde haben dies Rassen auch ein größeres Gesichtsfeld.
Der Mensch sieht aus dem Grund sehr gut, da sich das Gesichtsfeld sehr stark überschneidet.
Vergleich der Frischluft und der Atmungsluft beim Hund in Vol.%
  O2 CO2 N2
Frischluft 20,9 0,03 79,0
Expirationsluft 16,7 3,7 79,3
 
Aus der Tabelle geht hervor, das nur etwa 1/5 des Sauerstoffes aus der Einatmung verbraucht wird. Ein erheblicher Teil des Luftsauerstoffes wird wieder ausgeatmet.

Die Ausatmungsluft hat eine viel höhere relative Luftfeuchtigkeit als die Einatmungsluft und ist wärmer. Manche Tiere benutzen die Wärmeabgabe über die Luftwege, um in heißer Umgebung die Körpertemperatur zu senken (Hecheln bei Hunden).

Die Zahl der Atemzüge pro Minute ist u.a. von der Größe der Tiere und deren Intensität des Stoffwechsels abhängig. Bei erhöhter Körpertemperatur, körperlicher Arbeit, in der Erregung (z.B. Angst) und nach Blutverlusten ist die Atmungsfrequenz erhöht.

Atmungsfrequenz in Atemzügen pro Minute bei verschiedenen Tierarten im Ruhezustand
Hund
20 (10 - 30)
 
Katze
25 (20 - 30)
 
     
Als Atemvolumen (Zugvolumen) bezeichnet man die Luftmenge, die bei einem Atemzug eingeatmet wird. In der Ruhe ist das Atemvolumen kleiner als bei der Arbeit. Als Minutenvolumen wird die in einer Minute ein- und ausgeatmete Luft bezeichnet. Es ergibt sich aus Atemfrequenz x Atemvolumen. Atemgeräusche entstehen durch das Vorbeistreichen der Luft an den Wänden der Atemwege und durch die Entfaltung der Alveolen. Man unterscheidet bronchiale und vesikuläre Atemgeräusche. Als pathologische Geräusche kommen vor: Knistern, Reibe- und Rasselgeräusche.

 

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